Referendariat
GEW Hessen: Rechtsempfinden massiv gestört
Kategorie: Pressemitteilungen, Referendariat
Vom: 12. Februar 2007
Scharfe Kritik an Rechtsauslegung der Kultusministerin zur Bewertung im Staatsexamen
Frankfurt (gew). „Das Rechtsempfinden bei den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (LiV) ist aufgrund eines persönlichen Erlasses von Kultusministerin Karin Wolff an das Studienseminar für berufliche Schulen empfindlich gestört“, so die stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen Carmen Ludwig. Auf zwei Fachtagungen für LiV diskutierten und kritisierten fast 100 Personen am Wochenende in Frankfurt und Kassel die neue modularisierte Ausbildung. Wenig Licht, jedoch viel Schatten bestimmt die reformierte Pädagogische Ausbildung nach der neuen Umsetzungsverordnung zum Hessischen Lehrerbildungsgesetz, kurz UVO.
An den 30 hessischen Studienseminaren löste helle Empörung aus, dass eine LiV im Zweiten Staatsexamen nur mit einer Gesamtnote „Gut“ besteht, wenn sie in allen Prüfungsleistungen noch eine „Eins“ erhält. Diese Berechnung ergibt sich aus einer Tabelle im Hessischen Lehrerbildungsgesetz. „Während die Einzelnoten nach dem in Deutschland bekannten Notensystem vergeben werden, soll bei der Gesamtbewertung plötzlich ein anderes internationales Notensystem gelten. Diesen Systemwechsel kann niemand nachvollziehen. Das Rechtsempfinden aller Beteiligten – LiV, Ausbilderinnen und Ausbilder – und ihre Gutgläubigkeit, dass zwanzig Bewertungen mit ‚Eins’ auch eine ‚Eins’ und keine ‚Zwei’ ergeben, sind empfindlich gestört“, so Carmen Ludwig weiter. Die Kultusministerin beharrt jedoch weiter auf ihrer äußerst seltsam anmutenden Rechtsauslegung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten überhaupt kein Verständnis hierfür und forderten daher unmissverständlich, dass noch rechtzeitig vor den Prüfungen nach neuer UVO die Gesamtbewertung so ausgelegt wird, wie es übliche Rechtspraxis landauf landab in Deutschland ist. Weitere Schwerpunkte beider Tagungen, die unter dem Motto „Vom Modul wieder zum Ganzen – Den Modul-Dschungel überwinden!“ standen, waren die nicht mehr zu verkraftende hohe Arbeitszeit der LiV mit 60 Wochenstunden, viel zu viele und damit kaum zu bewältigende Module, eine fehlende durchgängige personelle Ausbilderbegleitung und eine unzureichend fachliche Ausbildung in den Unterrichtsfächern, wie Heike Lühmann, Teamleiterin des Referats Aus- und Fortbildung der GEW Hessen, von der Kasseler Tagung berichtete.
Joachim Euler, ebenfalls Teamleiter im Referat Aus- und Fortbildung, machte auf zwei neue Probleme und Forderungen zur schnellstmöglichen grundlegenden Novellierung der UVO aufmerksam, die erstmals öffentlich in Frankfurt deutlich und scharf akzentuiert zur Sprache kamen: „Die Zweite Staatsprüfung kann nur dann zusätzlich zu den Modulprüfungen bestehen bleiben, wenn auch Prüfungsteile als Module angerechnet werden. Außerdem dürfen in allen Teilprüfungen nur noch höchstens 50 % Fremdprüferinnen und Fremdprüfer sein.“
Die GEW Hessen diskutierte daher vor diesem Hintergrund erstmals in Fachkreisen ein im Referat Aus- und Fortbildung neu entwickeltes Ausbildungs- und Prüfungsmodell, das in den nächsten Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.
GEW Hessen:
Situation im Referendariat spitzt sich zu
Kategorie: Referendariat
Vom: 15. November 2006
Scharfe Kritik an den sehr hohen Arbeitszeiten in den Studienseminaren
Frankfurt (gew). „Wir sehen die Qualität der Lehrerausbildung in Hessen in Gefahr. Die Situation spitzt sich zu. Dringend notwendig ist eine umgehende Verringerung der Arbeitszeit der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) durch ministeriellen Erlass spätestens zum 1. Februar 2007. Die Geduld der Betroffenen ist zu Ende. Keiner will an den Studienseminaren noch warten, bis die Verordnung zur Umsetzung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes, kurz UVO, die den pädagogischen Vorbereitungsdienst regelt, 2012 überarbeitet wird. Die UVO muss spätestens nach dem ersten Durchgang dieser modularisierten Ausbildung in gut einem Jahr rundum erneuert werden“, so Heike Lühmann, Teamleiterin des Referats Aus- und Fortbildung (AuF) der GEW Hessen.
Joachim Euler, ebenfalls Teamleiter des Referats Aus- und Fortbildung der GEW Hessen, nennt eine fatale Konsequenz: „Inzwischen ist hessenweit unbestritten, dass die LiV eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 55 Stunden haben, dies bei einem Salär von etwa 1.000 Euro. Hintergrund ist die Ausweitung der Ausbildung an den Studienseminaren in Modulen um mehr als 30 Prozent.“
Die UVO hat noch eine weitere in diesem Ausmaß kaum bekannte Schattenseite. Mit der Ausweitung der modularisierten Ausbildung um etwa ein Drittel wurden die hierfür erforderlichen personellen Ausbilderkapazitäten nicht erhöht, sie blieben unverändert.
Erste Folge ist, dass die Gruppengrößen an den Studienseminaren teilweise bis auf 25 LiV angestiegen sind. Brisant und nicht minder dramatisch ist die zweite Folge: Aufgrund von Recherchen der hessischen GEW leisten die circa 700 zurzeit tätigen hauptamtlichen Ausbilderinnen und Ausbilder im Durchschnitt jeweils etwa vier bis sechs Stunden unbezahlte Mehrarbeit in der Woche. Das ergibt etwa 140.000 Wochenstunden Mehrarbeit im Jahr, die sich mittlerweile angesammelt hat. Da weitere Module ab 1. Februar 2007 dauerhaft hinzukommen, können diese angehäuften Mehrarbeitsstunden kaum abgebaut werden.
„Aber nicht nur darin liegt Sprengstoff. Zum Schuljahresbeginn 2006/2007 wurde die gerade erst ein Jahr alte UVO novelliert. Darüber hinaus wurden die Ausbilderarbeitszeiten so geändert, dass ihre Unterrichtsverpflichtung um durchschnittlich etwa zwei Wochenstunden erhöht wurde. Diese Zeit fehlt jetzt für die Ausbildungstätigkeit an den Studienseminaren“, fügt Euler ergänzend hinzu.
Die Reform der Lehrerausbildung konterkariert sich selbst aufgrund der mangelhaften finanziellen Ausstattung und der sozial nicht mehr zu vertretenden Arbeitszeiten für LiV, Ausbilderinnen und Ausbilder. Notwendig ist der schnellstmögliche strukturelle und zugleich sozialverträgliche Rückbau der modularisierten Ausbildungsveranstaltungen an den Studienseminaren.