Unterrichtsgarantie Plus (u+)
Infos zur Unterrichtsgarantie Plus (u+)
Broschüren:
GEW Hessen:
Rede des Landesvorsitzenden der GEW Hessen, Jochen Nagel anlässlich der Kundgebung am 28. Juni 2006 in Wiesbaden
Elternbund Hessen:
Pressemitteilungen der Hessichen GEW:
HR-Umfrage bestätigt GEW: Von ‚Unterrichts’garantie kann keine Rede sein
Vom: 06. Dezember 2006
Frankfurt (gew). „Die vom HR durchgeführte Umfrage zur sogenannten „Unterrichtsgarantie Plus“ bestätigt in vollem Umfang die Einschätzung der GEW Hessen: Es gibt keinen garantierten Unterricht, sondern bei Unterrichtsausfall allenfalls eine mehr oder minder qualifizierte Betreuung“, so der Landesvorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, anlässlich der 100-Tage-Bilanz der hessischen Kultusministerin.
„Keinesfalls ist jede gehaltene Schulstunde – wie aus dem Ministerium immer dargestellt - besser als eine ausgefallene Schulstunde“, stellt Nagel fest. Nach seiner Erfahrung gehört der Vertretungsunterricht zu den schwierigsten pädagogischen Aufgaben, auch für Lehrkräfte. “Gerade diese pädagogisch schwierige Aufgabe nicht für den Unterricht ausgebildeten Personen aufzutragen, kann sogar schaden. Besonders in Zeiten zunehmender zentraler Prüfungen haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf qualifizierten Fachunterricht“, bekräftigt der hessische GEW-Vorsitzende.
Zudem kritisiert er, dass die Verwendung des Begriffes „Unterricht“ im Zusammenhang mit der stattfindenden Betreuung dessen Bedeutung untergräbt. „Wer grundsätzlich alles in der Schule als Unterricht bezeichnet, muss sich nicht wundern, wenn Schüler Unterricht insgesamt nicht ernst nehmen“, führt Nagel aus. Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass sie im Anschluss an solche Stunden sehr viel Zeit benötigen, um die Arbeitsfähigkeit der Lerngruppe wieder herzustellen.
„Proteste von Schülerinnen und Schülern und die Kritik der Schulleitungen, gerade bei zunehmendem Vertretungsbedarf, sind ein eindeutiger Beleg für das Scheitern der sogenannten „Unterrichtsgarantie Plus“, so Nagel. „Doch 100-Tage-Bilanzen sind unsere Sache nicht. Wir haben deshalb gemeinsam mit der Landesschülervertretung und dem Elternbund Hessen eine eigene Umfrage unter dem Motto „Die Spitze des Eisberges“ gestartet. Bis zum Februar des nächsten Jahres wollen wir die längerfristigen Erfahrungen an den Schulen sammeln und danach die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen. Die entsprechenden Unterlagen können Interessierte auch von unserer Homepage
www.gew-hessen.de herunterladen und uns ihre Erfahrungen per Mail übermitteln“, so Jochen Nagel abschließend.
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Genervte Schüler, frustrierte Lehrkräfte, enttäuschte Vertretungskräfte und ratlose Eltern
Kategorie: Startseite, Pressemitteilungen
Vom: 19. Februar 2007
Mehrere hundert Menschen beteiligen sich an Fragebogenaktion von GEW, ebh und LSV zur „Unterrichtsgarantie Plus“
Frankfurt (gew). „Die rund 500 Rückmeldungen auf die Umfrage, die wir gemeinsam mit dem elternbund hessen (ebh) und der Landeschülervertretung zur so genannten „Unterrichtsgarantie Plus“ durchgeführt haben, zeigen ein sehr kritisches und sehr differenziertes Bild dieser Realität in unseren Schulen“, so Jochen Nagel, Landesvorsitzender der GEW Hessen. „Als „Spitze des Eisberges“ – so der Titel der Aktion – haben wir rund 200 Antworten, für eine Dokumentation ausgewählt. Davon kamen 77 Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern, 89 von Lehrkräften, 16 von Eltern,5 von Schulleitungen und 4 von Vertretungskräften. Die anderen Rückmeldungen konnten wir nicht eindeutig zuordnen“, erklärt Jochen Nagel.
„Die Vertretungsstunden enden generell in Chaos und mit einer langen Liste an verhängten Strafarbeiten durch die U+-Kraft…“, schreibt die Lehrerin einer Hauptschule. Eine Kollegin von einer Realschule schriebt: „Klassenräume sind häufig verschmutzt… Schüler werden häufig während des Unterrichts auf Toilette geschickt, stören auf den Fluren“. Die Schülerin einer Gesamtschule beklagt: „Die Schüler haben mit Kürbissen rumgeschmissen, es war ein absolutes Chaos“. Kaweh Mansoori, Landessschulsprecher in Hessen kritisiert, „dass der Unterricht insgesamt durch diese Maßnahme abgewertet wird.“
Auch die Vertretungskräfte haben Grund zur Klage: Sie bemängeln u.a. die fehlenden verlässlichen Arbeitszeiten und die schlecht organisierte Abwicklung der Bezahlung. Aber auch inhaltlich erkennen sie die großen Probleme, auf die sie nicht vorbereitet sind. So schreibt eine Pool-Kraft: „“Die Kinder und Jugendlichen haben offensichtlich selbst schon Verhaltensunterschiede zwischen regulären Lehrkräften und den so genannten „Poolkräften“ aus Unterrichtsgarantie plus festgestellt. Denn ich werde zunehmend am Anfang meiner Vertretungsstunden gefragt: „Sind sie aus dem Pool?“ Weiter beschriebt er dann eine Vertretungsstunde wie folgt: „Es war annähernd unmöglich, sich verbal verständlich zu machen in diesem Chaos“. „Natürlich“, so erläutert Jochen Nagel weiter, “ haben wir auch positive Rückmeldungen erhalten – um genau zu sein waren es zwei. So schreibt ein Vater er sehe für U+ eine „ausgesprochen gute Zukunftsprognose“. „Vielleicht“, so Nagel, “ ist hier auch ein bisschen der Wunsch der Vater des Gedanken“.
Christine Becker vom ebh erklärt, dass Eltern zwar froh sind, wenn der Stundenplan zumindest zeitlich verlässlich ist, aber auch Eltern sehen die Ausbildung ihrer Kinder bedroht, weil „Betreuung“ eben nicht gleich „Unterricht“ ist. „Gerade in Zeiten zunehmenden Leistungsdrucks durch G8 sowie durch die ganzen zentralen Prüfungen und Leistungsstandards haben Eltern die Befürchtung, dass die reine Betreuung durch Vertretungskräfte zu Lasten des verlässlichen Lernens geht. „Eltern fürchten, dass ihre Kinder durch weniger qualifizierte und erfahrene Pool-Kräfte in den Prüfungen und bei den Arbeiten Nachteile entstehen. Außerdem schildern vor allem Eltern von Grundschülern, dass die Vertretungskräfte die in den jüngeren Klassen üblichen Rituale und Aufgabenverteilungen, die für Vertrauen und Verhaltenssicherheit sorgen, nicht einhalten, was immer wieder zu Unruhe führt und dann von den regulären Kräften aufgearbeitet werden muss“, so Becker. Auch der Landeselternbeirat hat diese Form so genannter Vertretung einstimmig abgelehnt und professionelle Kräfte gefordert.
„Schulleitungen und Lehrkräfte bemängeln nicht zuletzt den erheblichen bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit „U+. Wir werden unsere Dokumentation in den nächsten Tagen an die im Landtag vertretenen Parteien und das Kultusministerium senden, damit diese wenig durchdachte „Unterrichtsgarantie Plus“ endlich zurückgenommen und durch eine zusätzliche Zuweisung von qualifizierten Lehrkräften ersetzt wird. Dabei wollen wir keine ‚Feuerwehrlehrkräfte’ sondern die Ausweisung von Pflichtstunden als Bereitschaftsstunden, damit Vertretung durch die Lehrkräfte gesichert wird, die auch im regulären Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten“, so Nagel abschließend.
Eine erste Auswahl von Berichten, die uns erreicht haben stehen nun zum Download bereit. Wir werden in der nächsten Zeit die se Berichte immer wieder aktualisieren.